Maverick Buying: Ursachen, Kosten und wie Sie den wilden Einkauf stoppen
Bestellungen außerhalb der standardisierten Beschaffungsprozesse sind in vielen Unternehmen Alltag. Die Folgen reichen von unnötig hohen Kosten über Compliance-Verstöße bis zu einer geschwächten Verhandlungsposition des Einkaufs. Dieser Beitrag zeigt, was Maverick Buying genau ist, welche Ursachen dahinterstecken, wie hoch der Anteil tatsächlich ausfällt – und mit welchen Maßnahmen Sie den wilden Einkauf zurückholen, ohne die Fachabteilungen auszubremsen.
Maverick Buying bezeichnet Bestellungen, die an den festgelegten Einkaufsprozessen und -kanälen vorbeilaufen. Laut HTWK Leipzig entfallen 13,5 % aller Bestellungen für indirekte Materialien auf diesen wilden Einkauf. Stoppen lässt er sich nicht durch Verbote, sondern indem der regelkonforme Bestellweg zum bequemsten Weg wird.
Das Wichtigste auf einen Blick:
- Maverick Buying – auch „wilder Einkauf" oder „Rogue Buying" – ist die Beschaffung an den vorgegebenen Prozessen und Kanälen vorbei.
- Laut HTWK Leipzig entfallen 13,5 % aller Bestellungen für indirekte Materialien darauf; in einzelnen Unternehmen liegt die Quote deutlich höher.
- Die Ursachen sind selten Absicht: zu langsame Prozesse, fehlende Transparenz über Rahmenverträge, dringender Spezialbedarf, unbequeme Werkzeuge und Unternehmenskultur.
- Die Kosten entstehen doppelt: verlorene Rahmenvertragskonditionen und höhere Prozesskosten. Eine manuelle Bestellung kostet nach dem Prozesskostenmodell von simple system 146 €, eine digitale 86 €.
- Messbar wird das Problem über die Maverick-Buying-Quote – am schnellsten über Rechnungen ohne zugehörige Bestellung in der Kreditorenbuchhaltung.
- Ein Praxisfall zeigt eine Senkung von 35 % auf 1–2 % und rund 136.000 € Einsparung pro Jahr.
Die Studiendaten stammen aus „Indirekten Einkauf steuern" der HTWK Leipzig (Prof. Dr. Holger Müller, Erhebung Oktober–November 2024, 181 Einkaufsverantwortliche, überwiegend aus Deutschland).
Was ist Maverick Buying?
Definition Maverick Buying, oft auch als „wilder Einkauf" oder „Rogue Buying" bezeichnet, beschreibt die Beschaffung von Materialien oder Dienstleistungen durch Mitarbeiter, die dabei die etablierten und von der Einkaufsabteilung vorgegebenen Beschaffungsprozesse und -kanäle umgehen.
Statt über genehmigte Lieferanten und ausgehandelte Rahmenverträge zu bestellen, tätigen Fachabteilungen ihre Einkäufe eigenmächtig. Ein klassisches Beispiel ist ein Mitarbeiter, der Büromaterial bei einem nicht gelisteten Online-Händler bestellt, weil es schnell gehen muss, anstatt den offiziellen Prozess über das ERP-System zu nutzen.
Wie hoch der Anteil wirklich ist
Maverick Buying ist kein Randphänomen. In der HTWK-Studie geben die befragten Einkaufsverantwortlichen an, dass 13,5 % aller Bestellungen für indirekte Materialien eigenständig von den Fachabteilungen aufgegeben werden – vollständig außerhalb der standardisierten Systeme.
Key Fact: Laut HTWK Leipzig entfallen 13,5 % aller Bestellungen für indirekte Materialien auf Maverick Buying – Bestellungen, die eigenständig von Fachabteilungen außerhalb standardisierter Beschaffungssysteme aufgegeben werden.
Das Gesamtbild der Bestellwege zeigt, warum: Strukturierte, digitale Kanäle sind im indirekten Einkauf die Minderheit.
|
Bestellweg im indirekten Einkauf |
Anteil an allen Bestellungen |
|---|---|
|
Vordefinierte Sortimente durch den Einkauf (z. B. Excel, ERP) |
25,5 % |
|
Freitextbestellungen durch den Einkauf |
24,1 % |
|
Elektronische Kataloge im eigenen System |
17,2 % |
|
Elektronischer Marktplatz |
14,5 % |
|
Maverick Buying (eigenständig durch Fachabteilungen) |
13,5 % |
|
Sonstige |
5,2 % |
Die häufigsten Ursachen für Maverick Buying
Um Maverick Buying in den Griff zu bekommen, ist es entscheidend, die Wurzeln des Problems zu verstehen. Selten handeln Mitarbeitende aus böser Absicht. Vielmehr sind es prozessuale oder organisatorische Hürden, die zu Alleingängen verleiten.
- Ineffiziente Beschaffungsprozesse: Wenn der offizielle Einkaufsprozess als zu langsam, bürokratisch oder kompliziert wahrgenommen wird, suchen Mitarbeiter nach schnelleren Alternativen, um auf Termindruck reagieren zu können.
- Mangelnde Transparenz: Oft wissen Mitarbeiter gar nicht, welche Lieferanten, Rahmenverträge oder Konditionen für bestimmte Produktgruppen existieren. Eine unzureichende Kommunikation der Beschaffungsrichtlinien fördert unkontrollierte Einkäufe.
- Dringender oder spezifischer Bedarf: Manchmal benötigen Fachabteilungen spezielle Produkte, die nicht über die bevorzugten Lieferanten verfügbar sind oder deren Beschaffung zu lange dauern würde.
- Fehlende benutzerfreundliche Werkzeuge: Veraltete oder komplizierte ERP-Systeme und Bestellformulare schrecken ab. Moderne E-Procurement-Systeme mit einem an Online-Shops angelehnten Bestellerlebnis fehlen oft.
- Unternehmenskultur: Eine mangelnde Wertschätzung für die strategische Bedeutung des Einkaufs kann dazu führen, dass die Einhaltung von Richtlinien als zweitrangig angesehen wird.

Die Studienlage stützt vor allem Ursache 4: Laut HTWK Leipzig verfügen nur 15 % der Unternehmen über vollständig digitalisierte, integrierte Prozesse, während über 40 % im indirekten Einkauf weiterhin mit nicht aufgabenspezifischen Tools wie Excel arbeiten. Wo kein bequemer digitaler Weg existiert, entsteht Maverick Buying fast zwangsläufig.
Die gravierenden Folgen: Warum Maverick Buying teuer wird
Die eigenständige Beschaffung mag auf den ersten Blick harmlos erscheinen, verursacht aber erhebliche direkte und indirekte Kosten. Die Wirkung entfaltet sich auf vier Ebenen:
- Höhere Beschaffungskosten: Ausgehandelte Rabatte und Skaleneffekte durch Bedarfsbündelung bleiben ungenutzt. Jeder Einkauf am Management vorbei schwächt zugleich die Verhandlungsposition gegenüber Lieferanten für die nächste Runde.
- Höhere Prozesskosten: Rechnungsprüfung und Buchhaltung werden aufwendiger, weil Kostenstellen fehlen und der Bestellbezug nicht vorhanden ist. Bereits eine reguläre manuelle Bestellung kostet nach dem Prozesskostenmodell von simple system 146 € gegenüber 86 € bei digitaler Abwicklung – bei Maverick-Bestellungen kommt die Nacharbeit obendrauf.
- Compliance- und Qualitätsrisiken: Bestellungen bei nicht geprüften Lieferanten können zu Qualitätsproblemen, Lieferausfällen und Verstößen gegen gesetzliche oder interne Richtlinien führen.
- Fehlende Transparenz: Der Mangel an Sichtbarkeit erschwert eine präzise Ausgabenanalyse und senkt die Effizienz im gesamten Supply Chain Management.

Tipp: Rechnen Sie die Maverick-Buying-Quote in Euro um – Anteil der Bestellungen × jährliches Bestellvolumen × Prozesskosten pro Bestellung. Erst diese Zahl macht das Thema in der Geschäftsführung verhandelbar.

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Jetzt lesenMaverick Buying erkennen und messen: So schaffen Sie Transparenz
Der erste Schritt zur Bekämpfung des wilden Einkaufs ist, ihn sichtbar zu machen. Viele Unternehmen sind sich des Ausmaßes nicht bewusst. Um Maverick Buying zu erkennen, lassen sich verschiedene Datenquellen analysieren. Ein guter Startpunkt ist die Kreditorenbuchhaltung: Prüfen Sie Rechnungen von Lieferanten, für die keine Rahmenverträge oder Bestellungen im System hinterlegt sind. Auch Spesenabrechnungen können Hinweise auf nicht genehmigte Beschaffungen enthalten.
Ein entscheidender Indikator ist die Maverick-Buying-Quote. Diese Kennzahl setzt die Ausgaben für nicht-vertragskonforme Bestellungen ins Verhältnis zu den Gesamtausgaben einer Warengruppe oder des gesamten Beschaffungsvolumens. Als Orientierung dient der Studienwert von 13,5 % – wer deutlich darüber liegt, hat dringenden Handlungsbedarf. Moderne E-Procurement-Lösungen führen diese Analyse automatisiert durch.

Strategien und Lösungsansätze: Maverick Buying effektiv bekämpfen
Sobald das Ausmaß bekannt ist, lassen sich gezielte Maßnahmen ergreifen. Es geht nicht darum, Mitarbeiter zu bestrafen, sondern darum, die Prozesse so zu gestalten, dass der offizielle Weg der einfachste ist.
1. E-Procurement-System einführen
Moderne Plattformen digitalisieren und vereinfachen den gesamten Einkaufsprozess. Sie bieten mitarbeiterfreundliche Kataloge, in denen nur genehmigte Produkte von bevorzugten Lieferanten zu den richtigen Konditionen verfügbar sind. Entscheidend ist die Bedienbarkeit: Wenn Bestellen im System schneller geht als der Umweg über den Webshop, löst sich das Problem weitgehend von selbst.
2. Prozesse vereinfachen und kommunizieren
Analysieren und verschlanken Sie Ihre Genehmigungsworkflows. Genehmigungsgrenzen, Budgets pro Kostenstelle und Freigabestufen gehören ins System, nicht in eine Richtlinie – so läuft jede Bestellung automatisch regelkonform, ohne dass der Einkauf jeden Vorgang einzeln prüft.
3. Lieferantenbasis konsolidieren und sichtbar machen
Konsolidieren Sie Ihre Lieferantenbasis und schließen Sie Rahmenverträge ab. Entscheidend ist, diese Verträge und Konditionen für alle Mitarbeitenden transparent und leicht zugänglich zu machen – Ursache 2 lässt sich nur so beseitigen.
4. Bestehende Lieferanten einbinden statt ausschließen
Der häufigste Auslöser ist ein Lieferant, den die Fachabteilung braucht, der aber nicht im System hinterlegt ist. Statt ihn zu verbieten, binden Sie ihn ein: Werden bestehende Rahmenverträge mit Stammlieferanten digital abgebildet, entfällt der Anlass zum Umgehen – und die verhandelten Konditionen bleiben erhalten.
5. Spend Analysis dauerhaft nutzen
Setzen Sie auf eine datengestützte Analyse Ihrer Ausgaben, um Abweichungen früh zu erkennen. Die Maverick-Buying-Quote gehört als wiederkehrende Kennzahl ins Reporting, nicht in eine einmalige Auswertung.
Genau an Punkt 4 setzt die Plattform von simple system an: Bestehende Lieferantenbeziehungen und verhandelte Konditionen werden 1:1 digital abgebildet, statt Einkäufer auf ein fremdes Sortiment umzulenken. Über die ERP-Anbindung via OCI-Schnittstelle landen Bestellungen direkt im führenden System, inklusive Genehmigungsworkflows und automatischer Kontierung. Weil simple system nicht selbst als Händler auftritt und keine Eigenmarken bevorzugt, bleibt der Einkauf Herr über seine Lieferantenstruktur.

Die Herausforderungen in der Beschaffung sind real, wie auch eine Studie des Fraunhofer IML zum Einkaufs-Barometer zeigt. Durch den Einsatz der richtigen Werkzeuge und eine klare strategische Ausrichtung kann der Einkauf jedoch zu einem echten Werttreiber werden.
Praxisbeispiel: von 35 % auf 1–2 % Maverick-Buying-Quote
Wie stark der Effekt ausfällt, zeigt ein Praxisfall aus der SAP-Anbindung: Ein Unternehmen senkte seine Maverick-Buying-Quote von 35 % auf 1–2 % und realisierte dadurch rund 136.000 € Einsparung pro Jahr. Ausschlaggebend war nicht eine strengere Einkaufsrichtlinie, sondern die durchgängige Anbindung des Bestellwegs an SAP über OCI – der regelkonforme Weg wurde zum schnellsten.
Diese Größenordnung deckt sich mit dem Studienbefund: Bestellungen über einen elektronischen Marktplatz benötigen laut HTWK Leipzig nur rund 70 % der Zeit, die vordefinierte Sortimente oder Freitextbestellungen erfordern.
Checkliste: Ist Maverick Buying bei Ihnen unter Kontrolle?
- Maverick-Buying-Quote gemessen und in Euro umgerechnet?
- Anteil der Rechnungen ohne zugehörige Bestellung bekannt?
- Ursachen je Fachabteilung erhoben (Dauer, Sortiment, Bekanntheit)?
- Deckt der Katalog den realen Bedarf der Fachabteilungen ab?
- Sind die relevanten Stammlieferanten mit ihren Konditionen im System hinterlegt?
- Laufen Genehmigungen und Budgetgrenzen automatisiert statt manuell?
- Ist der Bestellweg an das ERP-System angebunden?
- Wird die Quote regelmäßig als KPI berichtet?
Weniger als fünf Haken? Dann läuft ein relevanter Teil Ihrer indirekten Ausgaben derzeit an Ihnen vorbei.
Fazit: Der beste Weg schlägt die strengste Regel
Maverick Buying betrifft 13,5 % aller Bestellungen im indirekten Einkauf und kostet vor allem über Prozesse, nicht über Preise. Wer die Ursachen kennt, die Quote misst und den regelkonformen Bestellweg zum schnellsten macht, holt das wilde Bestellen zurück – ohne die Fachabteilungen auszubremsen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
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Maverick Buying ist das genaue Gegenteil von strategischem Einkauf. Während der strategische Einkauf auf langfristige Planung, Lieferantenbewertung, Bündelung von Bedarfen und die Optimierung der Total Cost of Ownership abzielt, ist Maverick Buying eine reaktive, unkoordinierte und prozessferne Beschaffung, die diese strategischen Ziele untergräbt.
-
Ja, absolut. Auch wenn in kleineren Unternehmen die Prozesse oft weniger formalisiert sind, führt unkontrollierter Einkauf auch hier zu denselben Problemen: verpasste Einsparpotenziale, mangelnde Ausgabenkontrolle und unnötiger administrativer Aufwand. Gerade hier können schlanke E-Procurement-Lösungen schnell für Struktur sorgen.
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Ein E-Procurement-System kanalisiert alle Bestellungen über eine zentrale, benutzerfreundliche Plattform. Es hinterlegt genehmigte Lieferantenkataloge und Rahmenverträge, automatisiert Genehmigungsprozesse und schafft volle Transparenz. Dadurch wird der offizielle Weg für Mitarbeiter zum einfachsten und schnellsten, was Maverick Buying effektiv verhindert.
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Laut HTWK Leipzig entfallen 13,5 % aller Bestellungen für indirekte Materialien auf Maverick Buying. In einzelnen Unternehmen liegt die Quote deutlich höher – Ausgangswerte um 35 % sind in der Praxis keine Seltenheit.
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Die Quote ergibt sich aus den Ausgaben für nicht-vertragskonforme Bestellungen im Verhältnis zu den Gesamtausgaben. Als praktikabler Näherungswert dient der Anteil der Eingangsrechnungen ohne zugehörige Bestellung im System.
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Die Kosten entstehen auf vier Ebenen: verlorene Rahmenvertragskonditionen, höhere Prozesskosten durch manuelle Nacharbeit, Compliance-Risiken bei ungeprüften Lieferanten und fehlende Spend-Transparenz. Der größte Posten sind meist die Prozesskosten – eine manuelle Bestellung kostet nach dem Modell von simple system 146 € gegenüber 86 € digital.
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Was ist Maverick Buying?
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Wie hoch der Anteil wirklich ist
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Die häufigsten Ursachen für Maverick Buying
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Die gravierenden Folgen: Warum Maverick Buying teuer wird
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Maverick Buying erkennen und messen: So schaffen Sie Transparenz
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Strategien und Lösungsansätze: Maverick Buying effektiv bekämpfen
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Praxisbeispiel: von 35 % auf 1–2 % Maverick-Buying-Quote
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Checkliste: Ist Maverick Buying bei Ihnen unter Kontrolle?
-
Fazit: Der beste Weg schlägt die strengste Regel
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
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