11.08.2026

E-Procurement ohne eigene IT-Abteilung einführen und selbst verwalten

Andy Freund [Senior Growth Manager]
Andy Freund Senior Growth Manager

„Wir haben niemanden, der das betreuen kann" – dieser Satz stoppt in vielen Betrieben die Digitalisierung des Einkaufs, noch bevor sie beginnt. Die Sorge ist berechtigt, zielt aber auf das falsche Risiko: Nicht die Software braucht IT-Ressourcen, sondern das Projekt drumherum. Und genau das lässt sich vermeiden. Dieser Beitrag benennt konkret, welcher Aufwand anfällt, was intern bleibt und was Sie danach selbst verwalten können.

Eine Beschaffungsplattform im SaaS-Modell lässt sich ohne eigene IT-Abteilung einführen: kein Server, keine Installation, keine Schnittstellenentwicklung. Der Go-live ist in rund 30 Tagen erreicht. Für den Start genügt dabei die reine Web-Nutzung; die ERP-Anbindung ist optional und kann später als Add-on folgen.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Kein IT-Projekt nötig: Im SaaS-Modell entfallen Server, Installation und Wartung. Was bleibt, sind fachliche Entscheidungen – und die gehören ohnehin in den Einkauf, nicht in die IT.
  • Der Go-live ist in rund 30 Tagen erreicht – ohne Server, ohne Installation, ohne eigenes IT-Projekt.
  • Zwei Stufen statt einer: Stufe 1 ist die reine Web-Nutzung ohne jede IT-Beteiligung. Stufe 2 – die ERP-Anbindung – ist optional und lässt sich später ergänzen.
  • Der interne Aufwand liegt in vier Aufgaben: Katalogumfang festlegen, Nutzer und Rollen anlegen, Kostenstellen hinterlegen, eine Ansprechperson benennen.
  • Paradox aus der Praxis: Kleine Organisationen wenden laut HTWK Leipzig mit 54 Minuten pro Bestellung den höchsten Zeitaufwand auf – deutlich mehr als mittlere Unternehmen mit 30 Minuten.
  • Selbst verwalten heißt konkret: Nutzer, Rollen, Budgets und Freigabegrenzen ändern Sie in der Oberfläche – ohne Ticket, ohne Dienstleister.
  • Wer eine ERP-Anbindung will, braucht dafür keine eigene Entwicklung: Der Datenaustausch ist auch per E-Mail oder SFTP möglich.

Das Paradox: die kleinsten Organisationen haben den größten Aufwand

Wer keine IT-Abteilung hat, verschiebt die Digitalisierung – und zahlt dafür am meisten. Die Zahlen der HTWK Leipzig zeigen das deutlich: Kleine Unternehmen wenden 54 Minuten pro Bestellung auf. Mittlere Unternehmen kommen mit 30 Minuten aus, große mit 38.

Der Grund ist nicht Unfähigkeit, sondern fehlende Werkzeuge. Im Demand Management arbeiten laut Studie 54,7 % der kleinen Unternehmen mit nicht aufgabenspezifischen Tools wie Excel, und nur 11,3 % verfügen über digital integrierte Prozesse. Bei mittleren Unternehmen liegt der Anteil integrierter Prozesse höher, bei großen noch höher.

Key Fact: Laut HTWK Leipzig wenden kleine Unternehmen 54 Minuten pro Bestellung auf – mittlere Unternehmen nur 30 Minuten. Der Aufwand pro Bestellung ist dort am höchsten, wo die Kapazität für Digitalisierung am geringsten ist.

Bemerkenswert ist ein zweiter Befund: Kleine Unternehmen nutzen elektronische Marktplätze mit 70 % häufiger als große Unternehmen mit 60 %. Die Offenheit ist also da – was fehlt, ist ein Weg, der ohne Projekt funktioniert.

Was an IT-Aufwand wirklich anfällt – und was nicht

Die Sorge vor dem IT-Projekt stammt aus einer Zeit, in der Software installiert wurde. Bei einer Cloud-Plattform verschiebt sich die Aufgabenverteilung grundlegend:

Aufgabe

Klassisches Softwareprojekt

Beschaffungsplattform im SaaS-Modell

Server und Infrastruktur

eigene Hardware oder Hosting nötig

entfällt vollständig

Installation und Updates

durch IT oder Dienstleister

durch den Anbieter, im Betrieb enthalten

Nutzerverwaltung

über IT-Ticket

selbst in der Oberfläche

Kataloge und Sortiment

Datenimport durch IT

fachliche Entscheidung im Einkauf

Genehmigungsregeln

Customizing

Konfiguration in der Oberfläche

ERP-Anbindung

individuelle Schnittstellenentwicklung

optionales Add-on über Standardschnittstellen

Datensicherung

intern zu organisieren

beim Anbieter

Was übrig bleibt, sind keine IT-Aufgaben, sondern Entscheidungen: Wer darf was bestellen? Bis zu welchem Betrag ohne Freigabe? Welche Lieferanten kommen auf die Plattform? Diese Fragen kann und soll niemand anderes beantworten als der Einkauf selbst.

Der zweistufige Weg: erst nutzen, dann anbinden

Der häufigste Fehler bei Organisationen ohne IT-Abteilung ist, Stufe 1 und Stufe 2 in ein Projekt zu packen – und dann an der ERP-Anbindung zu scheitern, bevor überhaupt eine Bestellung gelaufen ist.

Stufe 1 – Web-Nutzung ohne IT-Beteiligung. Zugänge anlegen, Rollen und Freigabegrenzen setzen, Katalog zuschneiden, bestellen. Kein Server, keine Schnittstelle, keine Beteiligung der IT. Diese Stufe bringt bereits den größten Teil der Prozesskosteneinsparung, weil der manuelle Bestellweg entfällt. Eine kostenfreie Probephase erlaubt es, hier ohne Vertragsbindung zu starten.

Stufe 2 – ERP-Anbindung als Add-on. Erst wenn Stufe 1 im Alltag läuft, lohnt sich die Anbindung an das Warenwirtschafts- oder ERP-System. Bei simple system ist sie als Add-on buchbar, mit einmaligen Integrationskosten ab 2.500 €. Entscheidend für Betriebe ohne eigene Entwicklungskapazität: Der Datenaustausch funktioniert nicht nur über REST API, sondern auch über SFTP oder E-Mail. Kontierungsobjekte wie Kostenstellen, Sachkonten und Projektcodes werden dabei direkt ins ERP übernommen.

Tipp: Trennen Sie die beiden Stufen bewusst zeitlich. Wer erst bestellt und dann anbindet, hat nach wenigen Wochen einen sichtbaren Nutzen – und eine viel bessere Grundlage, um die ERP-Anbindung intern zu begründen.

Key Fact: Der Go-live einer Beschaffungsplattform im SaaS-Modell ist in rund 30 Tagen erreicht – ohne Server, ohne Installation und ohne eigenes IT-Projekt. Die Basisnutzung steht bereits deutlich früher zur Verfügung, weil sie keine Schnittstelle voraussetzt.

Was intern bleibt: vier Aufgaben

Kein Anbieter kann diese vier Punkte übernehmen, weil sie Ihre Organisation betreffen. Der Aufwand ist überschaubar – aber er ist real, und wer ihn einplant, wird nicht überrascht.

Aufgabe

Wer im Betrieb

Aufwand einmalig

Aufwand laufend

Katalogumfang und Warengruppen festlegen

Einkauf

einige Stunden

gelegentlich anpassen

Nutzer, Rollen und Freigabegrenzen definieren

Einkauf mit Geschäftsführung

einige Stunden

bei Personalwechsel

Kostenstellen und Kontierung hinterlegen

Buchhaltung

wenige Stunden

selten

Ansprechperson für die Plattform benennen

Geschäftsführung

Entscheidung

wenige Stunden pro Monat

Ein Punkt verdient Betonung: Die Ansprechperson muss keine IT-Kenntnisse haben. Gebraucht wird jemand, der die Beschaffungsprozesse des Hauses kennt – typischerweise aus dem Einkauf oder der kaufmännischen Leitung.

Selbst verwalten: der Alltag nach dem Go-live

„Selbst verwalten" bedeutet in der Praxis, dass die häufigsten Änderungen ohne externe Hilfe möglich sind:

  • Neuer Mitarbeitender bestellt mit: Nutzer anlegen, Rolle und Kostenstelle zuweisen – Minuten, nicht Tage.
  • Freigabegrenze anpassen: Wenn eine Abteilung zu oft zur Freigabe muss, ändern Sie die Grenze selbst statt ein Ticket zu schreiben.
  • Budget je Team oder Kostenstelle setzen: Bestellungen im Rahmen laufen automatisch durch, darüber greift der Freigabe-Workflow.
  • Neuen Lieferanten aufnehmen: Der bestehende Stammlieferant wird mit seinen verhandelten Konditionen eingebunden, statt durch ein fremdes Sortiment ersetzt zu werden.
  • Ausgaben auswerten: Wer hat was zu welchem Preis bestellt – ohne Excel-Export und manuelle Auswertung.

Der Schulungsaufwand für die Bestellenden ist gering, weil die Oberfläche der Logik eines Online-Shops folgt. Das ist bei Betrieben ohne IT-Abteilung ein doppelter Vorteil: Es gibt niemanden, der Schulungen organisieren müsste – und es braucht ihn auch nicht.

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Auswahlkriterien für Organisationen ohne IT-Abteilung

Diese acht Fragen trennen Anbieter, die „einfach" behaupten, von solchen, bei denen es zutrifft. Lassen Sie sich die Antworten konkret geben – „selbstverständlich" ist keine Antwort.

  1. Ist die Plattform reines SaaS, also ohne Server und Installation bei uns?
  2. Können wir ohne ERP-Anbindung starten und diese später ergänzen?
  3. Welche Schnittstellenvarianten gibt es – ist auch ein Weg ohne eigene Entwicklung dabei (E-Mail, SFTP)?
  4. Was kostet die ERP-Anbindung einmalig, und was davon müssen wir selbst leisten?
  5. Können wir Nutzer, Rollen, Budgets und Freigabegrenzen selbst ändern – ohne Ticket?
  6. Wie viele Stunden pro Monat müssen wir realistisch für die Administration einplanen?
  7. Lassen sich unsere bestehenden Lieferanten mit den verhandelten Konditionen einbinden?
  8. Gibt es eine Testphase, in der wir das ohne Vertragsbindung ausprobieren können?

Frage 6 ist die entscheidende. Ein Anbieter, der darauf keine Zahl nennt, hat den Aufwand entweder nicht gemessen – oder er ist höher, als Ihnen lieb ist.

Checkliste vor der Entscheidung

  • Startet die Lösung ohne Beteiligung einer IT-Abteilung?
  • Ist der Weg in zwei Stufen planbar – erst Nutzung, dann Anbindung?
  • Sind die vier internen Aufgaben benannt und Zuständigkeiten geklärt?
  • Ist eine Ansprechperson im Haus benannt (ohne IT-Kenntnisse)?
  • Sind Nutzer, Rollen und Freigabegrenzen selbst änderbar?
  • Ist der laufende Administrationsaufwand als Stundenzahl bekannt?
  • Bleiben bestehende Lieferanten und Konditionen nutzbar?
  • Gibt es eine Testphase ohne Vertragsbindung?

Fazit: Nicht die Software braucht IT, sondern das Projekt

Betriebe ohne eigene IT-Abteilung können E-Procurement einführen und selbst betreiben – vorausgesetzt, sie packen nicht alles in ein Projekt. Der Weg führt über zwei Stufen: erst die reine Web-Nutzung, die ohne IT-Beteiligung funktioniert und den größten Teil der Einsparung bringt, dann optional die ERP-Anbindung. Was intern bleibt, sind vier fachliche Aufgaben – und die gehören ohnehin in den Einkauf.

FAQ – Häufige Fragen zu E-Procurement ohne eigene IT

  • Ja. Im SaaS-Modell entfallen Server, Installation, Updates und Datensicherung – diese Aufgaben liegen beim Anbieter. Was intern bleibt, sind fachliche Entscheidungen zu Katalog, Nutzerrollen, Freigabegrenzen und Kostenstellen. Dafür sind keine IT-Kenntnisse erforderlich.
  • Der Go-live ist in rund 30 Tagen erreicht. Weil keine Installation und keine Schnittstellenentwicklung nötig sind, steht die Basisnutzung bereits deutlich früher zur Verfügung; eine spätere ERP-Anbindung wird als separate Stufe eingeplant und verzögert den Start nicht.

  • Nein. Der Start ist ohne ERP-Anbindung möglich und bringt bereits den größten Teil der Prozesskosteneinsparung, weil der manuelle Bestellweg entfällt. Die Anbindung lässt sich später als Add-on ergänzen, wenn der Betrieb eingespielt ist.
  • Bei simple system ist die ERP-Anbindung ein Add-on mit einmaligen Integrationskosten ab 2.500 €. Der Datenaustausch ist über REST API, SFTP oder E-Mail möglich – der E-Mail- und SFTP-Weg kommt ohne eigene Entwicklungskapazität aus.

  • Eine benannte Ansprechperson aus Einkauf oder kaufmännischer Leitung, ohne IT-Hintergrund. Typische Aufgaben sind das Anlegen von Nutzern, das Anpassen von Freigabegrenzen und die Auswertung der Ausgaben – dafür sind wenige Stunden pro Monat realistisch.
  • Gering, wenn die Oberfläche der Logik eines Online-Shops folgt. Bestellende finden sich in der Regel ohne formale Schulung zurecht; Aufwand entsteht vor allem für die Person, die Rollen und Regeln konfiguriert.

 

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